Presse
Rattenalarm
Am 04.08.2008 wurde das Tierheim zusammen mit der Amtsveterinärin zu einer Wohnung im Stadtteil Gostenhof gerufen. Was die Tierschützer dort vorfanden übersteigt jede Vorstellungskraft wie ein Mensch leben kann. Unerträglicher Gestank, Berge von Müll, kein Zentimeter freier Boden und überall wimmelte es von Ratten. Kaum hatten die Mitarbeiter des Tierheimes, mit Erlaubnis der Polizei, die Wohnung betrete, hingen unzählige Nager an deren Hosenbeinen. Gierig stürzten sich die Tiere über das umgehend angebotene Wasser, Futter war keines vorhanden.
Es begann eine Einfangaktion die sich als sehr schwierig erwies. Die Ratten flüchteten vor den Fängerinnen blitzschnell unter den Müllbergen, dem Sofa und dem Bett, sowie in Löchern im Mauerwerk. Immer wieder mussten die Tierpflegerinnen die Wohnung verlassen um frische Luft zu tanken. Eine großartige Leistung unseres Teams. Nach 3 Stunden brachen wir die Aktion ab, da die Tiere merkten was los war und nicht mehr aus ihren Verstecken herauskamen. Mit 80 Ratten, die zum großen Teil Krankheitssymptome zeigten, verließen wir die Wohnung. Das Einfangen der noch ca. 100 in der Wohnung befindlichen Ratten war zu diesem Zeitpunkt nur möglich, wenn aus allen Räumen der gesamte Müll entfernt würde. Eine schwierige und nicht ungefährliche Aufgabe für alle Beteiligten.
Im Tierheim sind die Tiere unter strengster Quarantäne untergebracht, denn wir wollen in keinem Fall unseren Bestand in Gefahr bringen. Wie und wo wir alle noch eintreffenden Tiere unterbringen werden wird unser ganzes Improvisationstalent erfordern, aber wir werden es den Tieren zuliebe schaffen.
Hier stellt sich wieder einmal die Frage, wie es angehen kann, dass dieser unerträgliche Zustand 2 Jahre andauert und trotz mehrfacher Anzeigen bei Polizei und Behörden durch die Wohnungsbesitzerin und die Hausbewohner niemand bereit war einzugreifen, um dieses Grauen zu beenden.
Diese Frau leidet unter der Krankheit „Animal Hording“ und gehört in eine Betreuung, denn auch wenn man ihr die Tiere jetzt wegnimmt, wird sie wieder beginnen Tiere zu sammeln. (Siehe Broschüre des Deutschen Tierschutzbundes e.V.)Der Tierschutzverein fordert, dieser Tierhalterin ein lebenslanges Tierhalteverbot aufzuerlegen!
Auch wenn die Frau so leben will, sollte man dies nicht dulden. Man muss einem Menschen der jeglichen Halt verloren hat, helfen und auch die Mitmenschen im Haus vor derartig unerträglichen Belästigungen schützen.
Erfreulich: Unsere Freunde von der Rattenhilfe haben sich spontan bereit erklärt uns mit Futter- und Geldspenden zu unterstützen. Darüber hinaus haben sie angeboten bei der Versorgung und Pflege der Tiere zu helfen. Vielen Dank dafür!
Enttäuschend: Kein anderes Tierheim hat sich gemeldet und seine Hilfe angeboten um evtl. ein paar Ratten zu übernehmen.

