Presse -
Artikel
Tierhandel in Osteuropa boomt
Wer kauft, fördert das schmutzige Geschäft - 10.12. 11:00 Uhr
Nürnberg - Lebende Geschenke unter dem Christbaum: Jedes Jahr werden wieder süße Welpen oder Kätzchen verschenkt. Oft geht das gut, weil ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung geht. Doch manches niedliche Geschenk landet nach einigen Wochen im Tierheim, weil der kleine Racker doch zu anstrengend wird. Ein großes Problem ist auch der Welpenhandel in Osteuropa.
NZ: Sind Tiere zu Weihnachten dieses Jahr ein Thema?
Weber: Wir haben mitbekommen, dass zwei französische Bulldog-Welpen in Ungarn gekauft wurden und Privatleute sie nach Holland durchschleusen wollten, um sie dort zu verschenken. Die Hunde sind in Erlangen von der Polizei beschlagnahmt worden und zu uns gekommen. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Aber durch jahrelange Aufklärungsarbeit haben viele Menschen Vernunft angenommen, so dass es nicht mehr ein so großes Thema ist. Es kommt jedoch jedes Jahr wieder. Wir müssen weiter an die Menschen appellieren, dass ein Tier kein Spontankauf ist, es muss gut überlegt sein. Man übernimmt die Verantwortung für ein Lebewesen über zehn Jahre. Das kann man nicht aus einer weihnachtlichen Laune heraus tun.
NZ: Welche Rolle spielt der Welpenhandel in Osteuropa?
Weber: Das bekommen wir am Rande mit, wenn wir zum Beispiel wegen einer Beschlagnahmung gerufen werden. Oft schaffen es diese Händler aber dann noch, die Tiere verschwinden zu lassen, auf irgendwelchen Wegen aus dem Lkw heraus, die Händler sind da extrem clever. Wir haben kürzlich vier Labradorwelpen bekommen, die aus dem Lkw kamen. Wir bekommen da aber längst nicht alles mit – und nicht genug, um gegensteuern zu können.
NZ: Ist Nürnberg aufgrund der Lage auch ein Umschlagplatz?
Weber: Das ist leider so, es fährt jeder durch Nürnberg, wenn es beispielsweise Richtung Holland geht oder Frankreich. Wir sind definitiv ein Umschlagplatz, viele kommen auch aus Österreich, die Dunkelziffer will ich gar nicht wissen.
NZ: Mit welchen Tricks arbeiten diese Händler?
Weber: Es liegt zum Teil an den niedrigeren Preisen. Ein großer Faktor, mit dem diese Händler rechnen, ist aber auch das Mitleid der Menschen. Man sieht die Tiere und hat unendliches Mitleid. Denn natürlich haben die Interessenten eine große Tierliebe und denken, ich kann das Tier hier nicht zurücklassen. Aber genau das ist die Schiene, auf die diese Händler setzen. So hart es klingt, so traurig es ist und so schwer es fällt: Jedem Tier, das man mitnimmt und rettet, folgen zehn neue nach. Hierzulande werden die Welpen aus dem Kofferraum dann auf dem Schwarzmarkt verkauft. Wir als Tierschützer müssen auch mit Strohmännern arbeiten und mit der Polizei, damit wir die Tiere sicherstellen können.
NZ: Wie stellen solche Händler den Kontakt zu Interessenten her?
Weber: Das sind oft ganz lapidare Anzeigen in Magazinen, Tageszeitungen und im Internet. Da boomt der Markt, weil es anonym ist. Man sollte immer dann vorsichtig sein, wenn ein Händler wirbt, dass er in vier Wochen wieder frische Welpen hat, Möpse oder Labradore oder Bulldoggen. Wenn einer jede Rasse schnell beschaffen kann, dann kann man davon ausgehen, dass er die Tiere aus Osteuropa holt.
NZ: Was gibt es für Warnzeichen?
Weber: Ein vertrauenswürdiger Züchter ist der, zu dem man nach Hause kommen kann, wo man das Umfeld der Tiere und das Muttertier sieht. Dort kann man auch sehen, ob eine Bindung zu den Tieren entstanden ist und ein Tier im richtigen Alter abgegeben wird, niemals unter zehn Wochen. Wenn die Welpen vorher abgegeben werden, dann ist das für deren Entwicklung extrem schädlich. Außerdem sind die osteuropäischen Importe oft mit gefälschtem Impfpass unterwegs.
NZ: Worauf muss man noch achten?
Weber: Man sollte auch auf den Gesundheitszustand achten. Die Tiere, die wir jetzt aus dem Kofferraum gerettet haben, die waren dehydriert und apathisch, das ist auch ein Alarmzeichen. Diese Importhunde haben oft Schäden, weil sie Inzuchten sind und Krankheiten in sich tragen. Am liebsten wäre uns natürlich, wenn die Leute ein Tier aus dem Tierheim nehmen würden. Unsere Tiere sind alle medizinisch versorgt, sie haben Sozialkontakt zu anderen Tieren und zu Menschen. Aber bitte keinen Hund aus dem Kofferraum kaufen, damit unterstützt man nur den Markt – so funktioniert die Marktwirtschaft.
Autor: Sabine Göb Quelle: NZ

